Ten Ways On How To Get The Most From This Party In The Bedroom | party in the bedroom

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Paul Weller – “A Kind Revolution”
(Parlophone, seit 12. Mai)

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Blink and you’ll miss it: Bei Paul Weller kann man sich nie sicher sein, sich nie auf Nostalgie ausruhen. “Nova” zum Beispiel, als Single vorab veröffentlicht, ist mal wieder einer dieser verblüffenden, erst widerborstigen dann sehr smoothen Songs. Gänzlich untypisch für Weller, den Soulboy und Mod, beginnt es als fast schon grungige Postpunk-Nummer, mehr Pixies als Paul. Doch kaum hat man sich an den Sound gewöhnt, und an die ulkigen Laserkanonen-Doinnnggg-Geräusche, die den Far-out-in-Space-Charakter der Lyrics unterstreichen sollen, schon ändern altmodische R&B-Gitarren und -Bläser die Tonart ins Wärmere, Vertrautere: “Too small to contain myself/ Too loud to be heard”: Paul Weller fühlt sich auch mit knapp 60 noch nicht bereit für den Eintritt in die Klassiker-Liga, wo man zu jedem runden Album-Geburtstag die neue Deluxe-Edition unter die treuen Fans jubelt. Das Debüt-Album seiner ersten Band The Jam wäre jetzt fällig, es wurde gerade 40 Jahre alt.

Doch statt selbstzufrieden noch einmal den angry young lad oder eine seiner späteren Inkarnationen, als Style Council oder solo, zu zelebrieren, treibt es den ewigen Modernisten Weller immer weiter, zu neuen Klängen, neuen Experiences: “Can’t seem to let it go/ There’s too much to say/ My mind is a running stream”.

01 Aldous Harding: Horizon

02 Haim: Right Now

03 Paul Weller: She Moves With The Fayre

04 Harry Styles: Sign Of The Times

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05 Gothic Tropic: Stronger

06 She-Devils: Hey Boy

07 Miley Cyrus: Malibu

08 Girlpool: Sleepless

09 The National: The System Only Dreams In Total Darkness

10 Mabel: Bedroom

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Also holt er, because he can, Altmeister Robert Wyatt (Soft Machine) aus der Selbstversenkung und lässt ihn im liebestrunkenen Folk-Jazz von “She Moves With The Fayre” ein bisschen singen und Trompete spielen. Oder er schwingt sich mit Queer-Pionier Boy George in den altmodischen House-Groove von “One Tear” und geißelt groovend die repressiven Dogmen von Religionen. “A Kind Revolution” ist das vielleicht amerikanischste Album des britischsten Künstlers, den England noch zu bieten hat. Die Musik, aus der Weller einst im tristen Arbeitervorort Woking früh seine Inspiration und Kraft zog, von Motown bis Memphis, stammen allesamt aus dem Heimatland des Soul, Rhythm and Blues.

Diese Legacy wird hier, mit einem sorgenvollen Auge auf die aktuellen Beschwernisse Amerikas, noch einmal bekräftigt, mit leidenschaftlichem Glauben an die heilende, positive Kraft der Musik. Aber nicht als Roots-Reminiszenz, sondern als modernes Update. “The Cranes Are Back”, eines der intensivsten Stücke, die Weller in den vergangenen, nicht gerade unproduktiven zehn Jahren geschrieben hat, rekurriert auf die Kräne/Kraniche der spirituellen oder ökonomischen Hoffnung, die auch R&B-Sängerin Solange letztes Jahr auf ihrem Ära-definierenden Debüt-Album besang. “Start a kind revolution/ So we can feel some hope in the world”, lautet die Botschaft dieses sanften, aber beherzten Protestsongs.

“New York” taucht tief in den Straßenlärm und die Magie der Stadt ein, hüftwackelnd zu den lateinamerikanischen Sounds der “Chicano Power”- und “Nu Yorica!”-Sampler, über die man mit einem obsessiven Weller Ende der Neunziger stundenlang fachsimpeln konnte. “Hopper” sinnt, sehnsuchtsvoll orgelnd und swingend, einem Idealbild Amerikas nach, als Hommage an die ikonischen Realismus-Gemälde des US-Künstlers. “The Impossible Idea” schließlich, erst psychedelisch irrlichternd, dann feierlich zupackend wie eine Brian-Wilson-Komposition, entwirft noch einmal den ewig progressiven Traum des altlinken Utopisten Paul Weller. Er ist vielleicht der einzige Sänger seiner Generation, der eine sentimental journey nach vorne, nicht zurück antritt. Und dabei ganz schön cool bleibt. (7.8) Andreas Borcholte

Gothic Tropic – “Fast Or Feast”
(Old Flame, ab 19. Mai)

Bevor jetzt bald völlig zu Recht wieder alle über Haim reden, die Anfang Juli endlich ihr zweites Album veröffentlichen: Was haben die drei Schwestern aus L.A. eigentlich so bewirkt? Vielleicht haben sie die quasi nebenan in Echo Park wohnende Sängerin Cecilia Della Peruti ermutigt, mit ihren beiden Bandkollegen ein so selbstbewusstes Debüt wie “Fast Or Feast” aufzunehmen. Siebziger-Soulrock, Achtziger-Pop und -R&B sind hier wie bei Haim die Blaupausen für einen rastlosen, hibbelig-dynamischen Sound, der vielleicht nicht immer über die musikalische Finesse und Eigenartigkeit verfügt, aber dafür stilistisch noch weiter ausgreift – in Jazz und Funk ebenso wie in das wabernde Shoegaze-Update von Warpaint.

Abgehört gibt es auch im Radio! Jeden Mittwoch um 23 Uhr gibt es beim Hamburger Web-Radio ByteFM ein Abgehört-Mixtape mit vielen Songs aus den besprochenen Platten und Highlights aus der persönlichen Playlist von Andreas Borcholte.

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Klingt unausgegoren? Zusammengehalten wird der erstaunlich homogene Sound, der Synthie-Flächen und Moog-Gegnubbel (“Chemical Trails”) ebenso verkraftet wie Funk-Bass (“Don’t Give Me Up”) oder aufquirlende Gitarren-Twangs, von Perutis Leitmotiv: Es geht um die Überwindung einer offenbar mies gelaufenen Beziehung. In schnellen, unterkühlt zickigen Stücken wie “Stronger” oder “Teenage Behaviour” zieht sie sich am eigenen Kragen aus dem Trauerschlamm. Genüsslich schunkelnd malt sie sich in “Feed You To The Sharks” aus, wie sie ihm seine eigene, herausgerissene Zunge vor der Nase baumeln lässt – und fordert über fröhlichem Funk-Groove: “Cry Like A Man”.

Inmitten dieser Ermächtigungsgesänge ist auch noch kurz Zeit für ein heftiges Instrumental namens “If It Had A Body”, das, äh, Stonter-Rock mit Surf vermählt. Dass dem Trio auch mal die sichere Hand abrutscht, zeigen indes die etwas zu banalen Humpty-Dumpty-Nummern “Your Soul” und “Major”. Aber sonst? Zugreifen! Gibt nur jeweils 500 CD- und Vinyl-Exemplare von dieser Ultra-Indie-Veröffentlichung. (7.3) Andreas Borcholte

Aldous Harding – “Party”
(4AD/Beggars, ab 19. Mai)

Singer/Songwriter-Platten, zumal von mehr oder minder gefühlvollen Musikerinnen, gibt es viele, vielleicht manchmal sogar zu viele. Und viele sind, bei allem Respekt vor den Damen, langweilig oder prätentiös. Diese hier jedoch, die zweite Veröffentlichung der aus Neuseeland stammenden Sängerin Aldous Harding, gehört zu den wenigen wirklich wichtigen Veröffentlichungen, die dieses Genre, nennen wir es Indie-Folk, in diesem Jahr bisher zu bieten hat.

Hardings Musik ist dabei gar nicht das Besondere. Das Karge, Unbehauste und Geisterhafte ihres Debüts von 2014 (nur als Import erhältlich) trieb PJ Harvey-Intimus John Parish mit einer gediegenen, aber nicht bügelnden Produktion aus. Britischer und amerikanischer Folk steht Pate, zumeist sachte auf der Gitarre gezupft oder auf dem Piano getupft. Das klingt vertraut, so vertraut, dass man beim zweiten Song, “Imagining My Man” schon fast wieder abschalten will, so sehr erinnert das Arrangement an Mazzy Stars “Fade Into You”. Aber dann erhebt Harding plötzlich energisch die Stimme, wie es Hope Sandoval nie wollte, ein Kinderchor kreischt “Hey” dazwischen, ein Saxofon sorgt fürs Fade-out. Sehr verstörend, aber toll.

Ohnehin weiß man in den mit viel sinistrer Gothic-Atmosphäre vibrierenden Liedern Hardings nie so genau, ob hier gerade eine Liebes- oder eine Mörderballade inszeniert wird: “He took me to a clearing/ The grass was warm/ And the air was soft/ He had me sit like a baby/ I looked just twelve/ With his thumb in my mouth”, haucht sie kindlich im Titelstück.

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Die Kraft dieses Albums liegt beinahe komplett im emotional verhaftenden Vortrag der Künstlerin: Euphorie und Schüchternheit, Besinnung und Wahnsinn scheinen hier nur durch hauchdünne Membranen oder taubenetzte Spinnennetze voneinander getrennt zu sein. Harding, wie man hört auch auf der Bühne eine exaltierte Person, die ihre sprunghafte Seele komplett entblößt, kann Stevie-Nicks-Power wie im grandiosen “Horizon”, kann Nick-Drake-Lakonie (“What If Birds Aren’t Singing They’re Screaming”) und Appalachen-Sirene (im traurig-tröstlichen Duett mit Perfume Genius Mike Hadreas, “Swell Does The Skull”). Wie und womit diese Frau eine “Party” feiert, kann man sich kaum vorstellen. Aber man wäre trotzdem gerne dabei. (8.2) Andreas Borcholte

Wertung: Von “0” (absolutes Desaster) bis “10” (absoluter Klassiker)

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